von Norbert Prinz
Kollapskommunikation unterm Weihnachtsbaum
Alle Jahre wieder stellt sich für viele sozial engagierte Menschen die Frage, wie unterm Weihnachtsbaum im Kreise seiner*ihrer Liebsten am besten über die eigenen Herzensthemen, wie Klima, Antifaschismus oder über den gesellschaftlichen Kollaps gesprochen werden könnte ohne die anderen dabei vor den Kopf zu stoßen. Alle Jahre wieder taucht dabei auch die Hoffnung auf, ob es nicht doch irgendeinen psychologischen Trick geben könnte, der einem*einer bisher noch verborgen geblieben ist. Aber, egal wie sorgfältig alle Regeln guter Kommunikation eingehalten werden und wie gut die eigenen Absichten auch sein mögen: Über den Inhalt einer Nachricht entscheidet letztendlich immer der Empfänger.
Wie wir beobachten können, wirkt Aktivismus oder einfach nur der Versuch ein halbwegs sozial gerechtes und umweltbewusstes Leben zu leben auf viele Menschen wie ein Spiegel, der eine*n an die eigene Verantwortung erinnert. In den meisten Fällen löst dies dann Scham- und Schuldgefühle aus, die dann wiederum abgewehrt werden müssen. Vielleicht hilft an dieser Stelle die Einsicht von Daniel Dennet weiter: „Es gibt keine höfliche Art, Leuten zu sagen, dass sie ihr Leben einer Illusion gewidmet haben.“ Ich kann dies aus den hunderten Gesprächen, die ich in den letzten 6 Jahren im Klima-Kollaps-Cafe mit anderen kollapsbewussten Menschen geführt habe nur bestätigen.
Im Falle von Kollapskommunikation kommt noch hinzu, dass die damit assoziierten Vorstellung in der Regel extrem schmerzlich sind. Im besten Falle lösen diese einen tiefen Trauerprozess aus, im schlechteren Fall wirken sie aber traumatisierend und zwingen Menschen dazu ihre innere Abwehr hochzufahren.
Ob man sich nun entscheidet beim Weihnachtsfest mit den eigenen Themen anwesend zu sein, diese auszuklammern oder den festlichen Aktivitäten ganz fern zu bleiben: Es gibt keinen Grund, sich über sich selbst zu ärgern.